Marktrauschen

Eine Frage des Temperaments

Haben sich Ihre Auffassungen in den letzten beiden Wochen verändert? Sind Sie von Ihren bisherigen Einschätzungen mehr oder weniger stark überzeugt?

Die Kursentwicklung ist eine starke Kraft, die sowohl Überzeugungen untermauern (Wunsch nach Bestätigung) als auch in den Grundfesten erschüttern kann. Wir wissen zwar, dass kurzfristige Kursschwankungen auch kaum mehr als ein Zufall sein können, aber wenn wir Grafiken wie diese hier sehen, ist uns das auch keine große Hilfe.

Grafik 1: DAX „fällt“, „bricht ein“, „stürzt ab“…

Für Menschen ist so etwas nur schwer zu ertragen. Es muss doch eine Ursache dafür geben, und so richten wir unser Augenmerk auf die Experten, von denen viele „den Crash von 2008 erfolgreich vorhergesagt haben“ oder „seit über 20 Jahren x Billionen Dollar verwalten“. Viele dieser Experten äußern sich in den Medien sehr überzeugend und glaubwürdig.

Wenn sich die Dinge gegen uns wenden, lassen uns Einschätzungen, die wir womöglich einfach ausgeblendet hatten, als sich alles noch in unserem Sinne entwickelt hat, plötzlich das Herz in die Hose rutschen. Wir fragen uns: „Bin ich wirklich sicher, dass diese ganze Gelddruckerei böse oder doch nicht böse ausgehen wird?“ „Sollte ich das Shiller-KGV auch weiterhin verwenden oder es ignorieren?“ „Glaube ich wirklich, dass dieses niedrige Wachstum zyklischer oder aber struktureller Natur ist?“

Und zu alledem werden wir auch noch mit jeder Menge Nachrichten bombardiert. So erhält man bei einer entsprechenden Google-Suche das Folgende:

Grafik 2: Wie fühlen Sie sich hierbei?

Autsch.

Wenn sich die Kurse gegen einen entwickeln, kann man sich sehr einsam fühlen. Neurowissenschaftler haben herausgefunden, dass die Schmerzen, die eine soziale Ausgrenzung hervorruft, in der gleichen Gehirnregion angesiedelt sind wie die Schmerzen bei einem gebrochenen Arm. Falls man Geld für andere Menschen verwaltet, verstärkt sich dieser Effekt noch um ein Vielfaches. Und dann muss man sich ja auch noch vor seiner Risikoabteilung rechtfertigen…

Es ist schwer, den Mut zu haben, an seinen eigenen Überzeugungen festzuhalten, und aus diesem Grund können sogar die intelligentesten Investoren Probleme bekommen. Sich des emotionalen Tributs bewusst zu sein, den diese Kursschwankungen von einem selbst fordern können, ist aber bereits der erste wichtige Schritt, um diesem Effekt entgegenzuwirken. Schließlich ist es immer auch eine Frage der Perspektive. Wie sah beispielsweise das Ergebnis dieser Google-Suche noch im Oktober 2012 aus?

Grafik 3: Sogar die Experten werden sich niemals einig sein

Wenn Sie seinerzeit auf Aktien gesetzt hatten, wäre es ziemlich unklug gewesen, diesen Nachrichten Glauben zu schenken. Rein interessehalber sollten wir die jüngsten Kursschwankungen auch einmal aus einem längerfristigen Blickwinkel heraus betrachten, wie es die nachfolgende Grafik tut:

Bedeutet dies, dass die Märkte ab sofort nicht noch weiter nachgeben werden? Natürlich nicht, doch wenn Sie Ihre Auffassungen in den letzten Wochen geändert haben, dann seien Sie ehrlich zu sich selbst und fragen Sie sich, warum. Haben sich die Fakten geändert oder lediglich Ihr Bauchgefühl?

Grafik 4: DAX „entwickelt sich wie ein Aktienmarkt“


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