Marktrauschen

Märkte weltweit ignorieren Wahlausgang in Griechenland

Der Wahlsieg der linksgerichteten Syriza-Partei (die sich für ein Ende der Sparpolitik einsetzt) bei den griechischen Parlamentswahlen vom Sonntag hat erneut Besorgnisse um einen möglichen Zahlungsausfall Griechenlands sowie die Zukunft dieses Landes als Mitglied der Eurozone aufkommen lassen. Obwohl Syriza-Parteichef Alexis Tsipras ausdrücklich erklärt hat, die Bedingungen des Rettungspakets für Griechenland neu verhandeln zu wollen, hat er aber auch gleichzeitig klargestellt, dass seine Partei kein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euroraum anstrebt. Auf jeden Fall lässt sich allerdings nur sehr schwer einschätzen, wie der Austritt eines Staates aus der Währungsunion überhaupt funktionieren könnte – schließlich gibt es keinerlei rechtlichen Mechanismus dafür. Ganz zu schweigen von den Auswirkungen, die ein solcher Schritt auf diverse andere Faktoren hätte.

Bei den meisten Kommentaren der letzten Wochen ging es um die Gefahr eines Übergreifens auf andere Mitgliedstaaten der Eurozone – und zwar sowohl in politischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Bisher gibt es allerdings kaum Anzeichen dafür, dass sich die Investoren um einen möglichen Dominoeffekt über die griechischen Märkte hinaus übermäßig große Sorgen machen würden. In früheren Phasen politischer Instabilität in Griechenland – wie beispielsweise in den Jahren 2011 und 2012 – erlitten die Finanzmärkte in Europa sowie darüber hinaus jedoch auf breiter Front Verluste. Diesmal sind griechische Aktien zwar von einer heftigen Verkaufswelle erfasst worden (während die Renditen griechischer Anleihen angestiegen sind), doch die Märkte außerhalb Griechenlands haben darauf bisher lediglich verhalten reagiert. So sind die meisten europäischen Aktienmärkte an den Handelstagen nach der Wahl sogar angestiegen.

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Angesichts einer Vielzahl von Meinungsumfragen, die in den vergangenen Wochen durchgeführt worden sind, war das Wahlergebnis selbst bereits allgemein erwartet worden. Dies könnte auch ein Grund dafür sein, weshalb die Tendenz der globalen Finanzmärkte bisher kaum darauf hindeutet, dass die Anleger durch den Wahlausgang in Panik versetzt oder überrumpelt worden sind. Allerdings ist die Reaktion (bzw. die fehlende Reaktion) der Märkte auf die Entwicklungen in Griechenland auch ermutigend, denn sie belegt, dass die Investoren trotz anhaltender Unsicherheit zuletzt wieder etwas Mut geschöpft haben. Der Grund dafür sind konkrete fundamentale Verbesserungen, die viele europäische Peripheriestaaten und Kernländer seit der letzten Euroraum-Finanzkrise aus dem Jahr 2011 verzeichnet haben. In Verbindung mit den Ergebnissen des „Asset Quality Review“ (der gezeigt hat, dass die meisten Banken in der Eurozone wieder vergleichsweise stabil sind) sowie der jüngsten Ankündigung eines riesigen quantitativen Lockerungsprogramms der EZB scheint dies das Vertrauen wieder gestärkt zu haben. Offensichtlich gehen die Investoren davon aus, dass der Euroraum als Ganzes inzwischen besser aufgestellt ist, um mit wirtschaftlichen Problemen oder politischen Turbulenzen in jedem seiner Mitgliedstaaten fertig zu werden.

Unserer Meinung nach handelt es sich für Griechenland zwar hierbei natürlich um eine bedeutsame Entwicklung, doch die griechische Wirtschaft repräsentiert lediglich einen kleinen Teil der Weltwirtschaft insgesamt. Aus diesem Grund sehen wir uns deswegen nicht dazu veranlasst, unsere grundsätzlichen Zukunftseinschätzungen für das Weltwirtschaftswachstum zu modifizieren – schließlich beruhen diese Auffassungen auch auf sehr vielen anderen Faktoren.

Nichtsdestotrotz sollten wir uns auch weiterhin darüber im Klaren sein, dass die Situation in Griechenland aus diesmal wieder Auswirkungen auf andere Teile Europas – oder sogar den Rest der Welt – haben könnte. Obwohl wir nicht vorhersagen können, welche Szenarios in Griechenland letztlich eintreten werden (und die Reaktionen der Märkte darauf schon gar nicht prognostizieren können), können wir aber davon ausgehen, dass die Möglichkeit ausgeprägter Wertschwankungen besteht, die an anderen Märkten dann aber auch viel versprechende Anlagechancen eröffnen könnten. Denn man sollte nicht automatisch davon ausgehen, dass die inländischen Probleme Griechenlands auf lange Sicht zwangsweise Auswirkungen auch auf andere Länder haben, solange deren eigene Fundamentaldaten unterstützend bleiben.


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