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Wintermotivationen: „Weihnachtsrallys“, Renditen des Kalenderjahres und der „Januareffekt“

Könnte es sein, dass professionelle Anleger zum Jahresende auf Aktienrenditen aus sind, um die Kalenderjahr-Performance in ein gutes Licht zu rücken? Und könnte uns dies einen schwächeren Januar bescheren, da eben diese Anleger Positionen liquidieren, von denen sie nicht wirklich überzeugt sind?

Im Zuge der anhaltenden Rally am Aktienmarkt entsteht der Eindruck, dass sich die Märkte in einem Rausch befinden, wie Maria letzte Woche bereits erörterte.

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Mit einer Begründung für diese Preisbewegungen tun sich viele schwer. Häufig wird angeführt, der Wahlsieg Trumps könnte etwas damit zu tun haben und die Nachhaltigkeit der Gewinne wird infrage gestellt. Unlängst wurde sogar angedeutet, die so genannten „Weihnachtsrallys“ seien typisch dafür, wenn professionelle Manager die Wertentwicklung für das Kalenderjahr nach oben treiben wollen.

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In der untenstehenden Tabelle wird deutlich, dass seit 1971 die durchschnittlichen Renditen in einigen großen Indizes in den letzten beiden Monaten des Jahres eindeutig höher ausfielen.

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In den USA waren seit 1971 70% der Renditen im Dezember positiv, in Deutschland und Japan liegt die Zahl etwas niedriger bei 64%. Im Vergleich zu den entsprechenden Ergebnissen über das restliche Jahr sind das durchaus gute Werte. Über das gesamte Jahr betrachtet waren 59% der US-Monatsrenditen positiv, in Deutschland waren es 58% und in Japan 57%.

Die Weihnachtsrally fällt in die Kategorie der „saisonbedingten Anomalien“, ebenso wie „Sell in May and go away (ebenfalls in der Tabelle ersichtlich) sowie der Januar-Effekt, bei dem sich Nebenwerte in den USA am Jahresbeginn überdurchschnittlich gut entwickeln.

Einige Marktteilnehmer beschreiben diese Trends als Anomalien, die die Theorie effizienter Märkte infrage stellen. Tatsache ist aber auch, dass erkennbare saisonbedingte Anomalien größtenteils Zufall sein könnten. Über einen so kurzen Auswahlzeitraum ist es gar nicht abwegig, dass solche Muster ohne eigentliche Ursache auftreten.

Ungeachtet dessen, ob diese Anomalien real sind oder nicht – es lässt sich nur schwer Geld mit ihnen verdienen. Nehmen wir beispielsweise den Januar-Effekt. Letztes Jahr war er kaum vorhanden und für 2017 könnte der Zug bereits abgefahren sein.

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Eine plausiblere Erklärung für das Marktverhalten?

Das Problem mit den Argumenten für saisonbedingte Anomalien ist, dass dafür eine große Anzahl von Anlegern ein korreliertes Verhalten zeigen muss. Es ist unwahrscheinlich, dass der Anreiz für professioneller Anleger, die Anlageperformance zu steigern, ausreicht, um dies auf vorhersehbare Weise (und ohne arbitriert zu werden) erreichen zu können.

Es gibt aber noch eine andere Erklärung für diese Art von Trendverhalten/Herdentrieb, die gegenwärtig sowohl am Aktien- als auch am Rentenmarkt ersichtlich ist und die die Motivationen aller Anleger einschließt. Es handelt sich um das Konzept der „Pricing-Modell-Unsicherheit“, das auf Erkenntnissen der Spieltheorie beruht und von Horace “Woody” Brock vorgebracht wurde. Dem Modell zufolge hat der Markt eine stärkere Neigung dazu, in ein Trendverhalten zu fallen und „überzureagieren“, wenn das Bewerten von Vermögenswerten schwerer wird.

Ohne klaren Orientierungspunkt ist es unwahrscheinlicher, dass Anleger gegen den Strom schwimmen, wenn der Markt in die eine oder andere Richtung läuft. Das ist ein Grund dafür, weshalb von manchen ein Hang zum Trendverhalten an den Devisenmärkten bescheinigt wurde.

Vor dem Hintergrund möglicher Veränderungen des vorherrschenden geldpolitischen Konsenses und einem potenziellen Schlüsselmoment im breiteren Umfeld ist es wahrscheinlich, dass die Pricing-Modell-Unsicherheit auch schon vor dem Wahlsieg Trumps eine Rolle spielte. In Kombination mit der Tatsache, dass die Wachstumserwartungen (und Staatsanleihenrenditen) von sehr niedrigen Niveaus ausgingen und das Jahr von enormen Erschütterungen vorgefasster Überzeugungen geprägt wurde, könnte dies durchaus eine bessere Erklärung für das Preisverhalten sein als das Wesen des Kalenderjahres.


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