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Gedanken über den Zinsanstieg in den USA

Die Märkte sind nach wie vor besessen von relativ geringen Veränderungen mit Blick auf die Erwartungen für die offiziellen US-Zinsen. Der Offenmarktausschuss gab bekannt, dass für nächstes Jahr mindestens drei Zinserhöhungen denkbar wären. Vorherige Prognosen gingen von lediglich zwei Erhöhungen aus. Das sollte niemanden überraschen. Vor dem Hintergrund des Ausgangsniveaus der Zinsen, der relativen Unempfindlichkeit der Ausgaben gegenüber dem Leitzins der US-Notenbank sowie der prozyklischen politischen Intentionen der neuen US-Regierung könnten die Zinsen wesentlich stärker steigen, als es derzeit vom Offenmarktausschuss angenommen wird.

Die Märkte gingen bereits von einem Zinsanstieg aus und passten sich entsprechend an. Die unmittelbare Marktreaktion war insofern zwar eine logische Konsequenz, im Rahmen der Volatilität nach dem Wahlsieg Trumps war sie jedoch relativ unbedeutend. Der US-Dollar legte deutlich zu, die Renditekurve flachte ab und die Aktien großer amerikanischer Geschäftsbanken, die am stärksten von einem Anstieg der US-Leitzinsen profitieren, sind die Gewinner am schwachen Aktienmarkt.

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Die Zinsmärkte sind weiterhin selbstgefällig mit dem Spielraum für Zinserhöhungen in den USA über die kommenden zwei Jahre. Die Grafik unten zeigt den am Terminmarkt impliziten effektiven US-Leitzins. Entsprechend dieser Grafik geht der Markt davon aus, dass die Zinsen im Dezember nächsten Jahres bei 1,3% liegen werden. Darüber hinaus unterscheidet sich die erwartete Zinsänderung in 2017 nicht wesentlich von der Erwartungshaltung von Mitte des Jahres.

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Die Fed dürfte sich über die prozyklischen politischen Absichten der neuen Regierung freuen. Eine Prise „Animal Spirits“ infolge der Wahl von Donald Trump könnte genau das sein, was es braucht, um das beständige Wachstum der US-Wirtschaft ein oder zwei Stufen anzuheben und so der Fed zu ermöglichen, die Zinsen deutlich anzuheben und anstatt bei Null eher bei 3-4% anzukommen.

Hierbei ist erwähnenswert, dass, genauso wie sich immer niedrigere Zinsen an einem bestimmten Punkt als kontraproduktiv herausstellten, sich eine Anhebung der Zinsen nicht begrenzend auswirkt (oder sogar positiv auswirkt, wie der „Neo-Fisherismus“ behaupten würde). Banken könnten als Reaktion auf höhere Margen die Kreditvergabekonditionen lockern und insofern sich der Optimismus der Unternehmen in Form einer Angebotsverknappung am Arbeitsmarkt und in Lohnerhöhungen widerspiegelt, zeigt sich die die Endnachfrage womöglich genauso immun gegenüber höheren Zinsen wie gegenüber den immer niedrigeren weltweiten Leitzinsen der letzten Jahre.

Dies könnte den Unterschied der Wirtschaftsdynamik der USA im Vergleich zu Europa weiter verstärken, der durch die Vorgehensweise der Fed noch einmal hervorgehoben wurde. Zweijährige Staatsanleihen der USA befinden sich auf dem höchsten Stand seit sieben Jahren, zweijährige deutsche Staatsanleihen sind auf einem Allzeittief angekommen.

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