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2016: Der Beginn von etwas Großem?

Letztes Jahr schrieb ich zwei Mal darüber, dass 2016 die Geburtsstunde eines entscheidenden Moments für Anleger sein könnte – sowohl was den Umgang mit dem Risiko seitens des Marktes als auch das vorherrschende gesamtwirtschaftliche und politische System angeht.

Tatsächlich bewahrheitete sich dies im Jahr 2016. Das für Anleihen und „sichere Anlagen“ zuträgliche und für Wachstum pessimistische Umfeld der ersten Jahreshälfte drehte sich drastisch Mitte des Jahres – deutlich vor Trump.

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Das beherrschende Thema für Anleger ist nun, ob es sich bei dieser Wende schlichtweg um eine kurzfristige Episode handelt oder um den Beginn von etwas Tiefergehendem, also einer echten  Veränderung im Ertragsumfeld der letzten Jahre und sogar Jahrzehnte.

Diese Woche und letztes Jahr schrieb Tony darüber, wie der hohe Ausgangspunkt der Rendite und der strukturelle Rückgang von Inflation und Zinsniveau seit den 1970er Jahren Anleger auf eine mehrere Jahrzehnte andauernde Phase vorbereitete, in der Staatsanleihen Erträge generierten, die üblicherweise eher mit volatileren Vermögenswerten in Verbindung gebracht werden.

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Diese Tatsache wurde durch die Finanzkrise noch verstärkt und goss Wasser auf die Mühlen von Anlegern, die – durch diese Erfahrung traumatisiert – besessen waren von der Minimierung der Volatilität und des Verlustpotenzials. Wie Tony diese Woche hervorhob, entstand als Resultat ein Umfeld, indem eine vorsichtige Haltung sogar belohnt wurde.

Viele Marktteilnehmer, die Vermögenswerte vor dem Hintergrund eines vermeintlichen Sicherheitsaspektes hielten, wurden mit beachtlichen Erträgen überrascht. So konnten sogar traditionelle, statische Multi-Asset-Allokationen mit hohen Anleihengewichtungen dem Anschein nach ganz einfach „Erträge ohne Risiko generieren“, die normalerweise nur durch risikobehaftete Vermögenswerte zustande gekommen.

In der zweiten Hälfte des letzten Jahres wurden diese Strategien dann vor Herausforderungen gestellt, da manche Anleihen eine höhere Volatilität und teilweise deutliche Verluste aufwiesen. Anleger, die angesichts der Rezessionsängste im Januar und Februar in Panik ausbrachen oder als Reaktion auf die Brexit-Entscheidung oder den Wahlsieg Trumps in die Falle des Prognostizierens tappten, erlebten noch eine Verstärkung dieser Problematik.

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Es bleibt abzuwarten, ob 2016 die Geburtsstunde einer für uns denkbaren signifikanten und über mehrere Jahre andauernden Systemveränderung markiert. Ein derartiger Übergang würde zweifelsohne nicht reibungslos vonstattengehen und wäre von extremen Rückschlägen geprägt. Starke strukturelle Verschiebungen verursachen ein massives Durcheinander an den Märkten und ich gehe durchaus davon aus, dass über dieses Argument in den nächsten Jahren gelacht wird.

Inwieweit unterscheidet sich die Annahme über die Geburtsstunde eines entscheidenden Moments von einer Prognose? Maßgeblich ist, dass diese Auffassung auf aktuellen Beobachtungen beruht: Die explosive Natur im späten Zyklus der Anleihen-Rally im ersten Halbjahr, die Kapitulation von Überzeugungen und eine extrem pessimistische Haltung gegenüber dem Wachstum stellten die Weichen für eine Überraschung der Märkte. Diese Faktoren gehen mit gesamtwirtschaftlichen Verbesserungen und Herausforderungen für das politische System einher, von denen Trump lediglich ein Symptom darstellt.

Wichtiger ist jedoch, dass, von einem Investitionsstandpunkt aus betrachtet, die strukturelle Verschiebung nicht einmal tatsächlich stattfinden muss, um zu gewinnen. Auch wenn sich das vorherrschende System nicht verändert, lassen die bestehenden Bewertungen vermuten, dass durch eine strukturell optimistische Einschätzung zu Inflation und Zinsentwicklungstrends kaum zusätzliche Erträge generiert werden können, während die Erträge von stärker volatilen Vermögenswerten nach wie vor attraktiv erscheinen.

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Auch die kurzfristige Volatilität dürfte indes Chancen für disziplinierte Anleger eröffnen. Entscheidend ist, sich auf übergeordnete Themen wie das vorherrschende System zu fokussieren, um zu wissen, wie man in solch entscheidenden Momenten am besten reagiert.


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